Mittwoch: Literatur auf der Solstage

24.8.2016 UNTERGRUND POETEN

Kay hat die Untergrundpoeten ins Leben gerufen und stellt zur Begrüssung das Konzept der offenen Bühne vor. Er führt leichtfüssig durch den Abend, regt zu spontanen Auftritten an. Es finden sich Einige, die etwas zu sagen haben. Das Publikum wird überrascht mit unterhaltsamen, schafsinnigen, kritischen Mundarttexten, die ergänzt werden durch Einschübe klassischer Literatur und experimenteller Lyrik.

Emanuel Bundi startet mit den Worten „wir riefen Blumen und es kamen Pflanzen“. Er nimmt uns mit auf eine Reise ins Reduit, thematisiert geografische und biologische Grenzüberschreitungen. Zwischendurch verleitet ihn das Thema Liebe zu narzisstischen Rachegelüsten, bevor er sich melancholischen Grübeleien über geköpfte Taubeneier hingibt.

Der Clown, alias Kolja, tritt im Star Wars T-shirt auf, bewegt sich sprachlich zwischen Witz und Ernst. Auf Pointen, die sich teilweise in der Sommernacht verlieren, folgen scharfsinnige, gesellschaftskritische Analysen. Plötzlich übernimmt der Pirat die Bühne, lässt den Humor hinter sich und überrascht mit revolutionären Ideen.

Raphael Reift betritt die Bühne und sagt, er mache Lyrik. Die Ansage wird den klingenden Worten nicht gerecht, die Raphael seiner Kehle entlockt. Worte hinterlassen Spuren, versickern im Zeitsand und zersplittern am Abendhimmel. Mit einer gesungenen Hymne auf Babel lässt der Poet die klassische Lyrik definitiv hinter sich.

Dino liefert einen kurzen, prägnanten Text über Leben und Tod. Michael liest Stellenweise aus Ovids Liebeskunst vor. Und Marc Sahli führt uns zu den literarischen Wurzeln des Mattenenglisch. Er mahnt „Mit den Wörtern ist es so wie mit den Vögeln in unseren Gärten, sie sterben einfach aus“. Um dem Aussterben entgegenzuwirken, werden kurze Geschichten mit wunderbar ursprünglichen Wörtern erzählt.

Zu wünschen bleibt, dass in Zukunft auch Poetinnen den Weg aus dem Untergrund auf die Bühne finden. In diesem Sinne wächst die Vorfreude auf den nächsten Auftritt der Untergrundpoeten:

11.9.16 Untergrund Poeten – Werkhof 102, Bern

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